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Internationale Inspektionen: Herausforderungen – und wie Sie bestehen

Autor: Dominique Wahsner, Vortrag: Katja Kotter | Vetter Pharma-Fertigung GmbH & Co. KG

Letzte Änderung: 19.02.2026

Core Points:

  • Umfassende Vorbereitung auf Inspektionen ist entscheidend. Dies beinhaltet genaue Planung, Schulung der Mitarbeiter und die Vorbereitung von Informationen und Dokumenten.
  • Kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren dürfen nicht unterschätzt werden. Spezifische Schulungen und die Bereitstellung professioneller Dolmetscher sind für eine reibungslose Kommunikation unerlässlich.
  • Ferninspektionen erfordern spezielle Anpassungen, darunter das Hochladen großer Dokumentenmengen, die Berücksichtigung von Zeitzonen und die Sicherstellung technischer Unterstützung vor Ort.
  • Unangekündigte Inspektionen verlangen eine ständige Inspektionsbereitschaft, die durch regelmäßige unangekündigte interne Rundgänge und klar definierte Kommunikationsketten sichergestellt wird.
  • Anforderungen von Dokumentationspaketen für die Vorbereitung der Inspektoren variieren erheblich zwischen den Behörden, von geringen Mengen bis zu über 2000 Dokumenten, oft in spezifischen Sprachen. Dies erfordert flexible Übersetzungsressourcen.
  • Die Nachbereitung von Inspektionen ist je nach Behörde unterschiedlich. Während bei einigen Behörden eine Stellungnahme zu Beobachtungen ausreicht, fordern andere detaillierte Folgedokumente als Nachweis der Umsetzung.

Herausforderungen bei internationalen Inspektionen
Internationale Inspektionen stellen Unternehmen vor vielfältige Herausforderungen, die weit über rein technische Aspekte hinausgehen. Die Referentin hebt hervor, dass es nicht nur um die Einhaltung unterschiedlicher GMP-Standards geht, sondern auch um organisatorische, kulturelle und sprachliche Besonderheiten. Mit einer langjährigen Erfahrung in der Betreuung von Audits und Inspektionen, darunter zahlreiche FDA-Inspektionen, betont sie die Notwendigkeit einer professionellen Herangehensweise. Insbesondere das vermehrte Aufkommen von Inspektionen aus Südkorea, die aufgrund geänderter GMPs bei Neuzulassungen erfolgen, sowie von Behörden aus Ländern wie, Russland oder China verdeutlicht die wachsende Komplexität.

Remote-Inspektionen und ihre Besonderheiten
Die Corona-Pandemie hat die Remote-Inspektionen verstärkt in den Fokus gerückt, welche trotz der inzwischen etablierten Routinen weiterhin spezifische Herausforderungen mit sich bringen. Ein zentraler Punkt ist der Vertrauensaufbau: Im Gegensatz zu Vor-Ort-Inspektionen, bei denen Smalltalk und persönliche Interaktionen eine Beziehung aufbauen können, fällt dies bei Remote-Inspektionen weg, was zu mehr Missverständnissen führen kann. Hinzu kommen praktische Probleme wie Zeitzonenunterschiede, die Kompromisse bei den Arbeitszeiten erfordern. Besonders aufwendig ist das Hochladen unzähliger Dokumente, oft in Übersetzung, wie das Beispiel einer EAEU-Inspektion mit über 2000 hochgeladenen Dokumenten zeigt. Die Planung von Fachexperten und deren Schulung für die Präsentation im Online-Formatist ebenfalls essenziell, ebenso wie die Sicherstellung technischer Unterstützung für Inspektoren und die Nutzung geeigneter Kommunikationsplattformen für interne Abstimmungen.

Umgang mit unangekündigten Inspektionen
Unangekündigte Inspektionen, wie sie von der FDA durchgeführt werden, erfordern eine ständige Bereitschaft ohne Vorbereitungszeit. Dies macht eine sofortige interne Organisation unumgänglich, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Ein kritischer erster Schritt ist die Schulung des Wachdienstes, damit dieser im Ernstfall weiß, wen er sofort kontaktieren muss, um die Kommunikationskette in Gang zu setzen. Diese Kette muss alle Fachexperten, die Betreuer vor Ort bis hin zur Geschäftsführung umfassen. Darüber hinaus ist die Kommunikation mit externen Parteien wie der deutschen Behörde und den Kunden von großer Bedeutung. Zur Sicherstellung der “FDA Readiness” wurden Checklisten für die Fachbereiche und Escorts erstellt, die detaillierte Anweisungen für den Ernstfall enthalten. Regelmäßige, unangekündigte interne Rundgänge helfen zudem, potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren
Kulturelle Unterschiede stellen eine oft unterschätzte Herausforderung dar und können zu Missverständnissen führen. Das Beispiel von asiatischen Kulturen, bei denen ein direktes “Nein” vermieden wird und stattdessen Formulierungen wie “I will do my very best” verwendet werden, verdeutlicht dies. Es ist entscheidend, die kulturellen Gepflogenheiten zu kennen, um Fettnäpfchen zu vermeiden und die Kommunikation effektiv zu gestalten. Die Hierarchie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, beispielsweise wenn der Lead Inspector ein bereits besprochenes Thema erneut aufgreifen möchte. Die Sprachbarriere selbst erfordert oft die Bereitstellung von Übersetzungen in verschiedene Sprachen (z.B. Russisch, Mandarin) und den Einsatz professioneller Dolmetscher. Diese Dolmetscher müssen nicht nur sprachlich versiert sein, sondern auch mit den internen Prozessen und Fachtermini vertraut gemacht werden.

Dokumentationsanforderungen und Inspektionsstile
Die Dokumentationsanforderungen variieren stark je nach Behörde. Während die deutsche Behörde oft wenigeDokumente anfordert, können andere, wie die EAEU oder China, Hunderte von Dokumenten verlangen, oft in spezifischen Sprachen und mit straffen Zeitvorgaben für das Hochladen. Die FDA fordert über Formular 4003 durchschnittlich 300 Dokumente im Voraus an, was bedeutet, dass die Inspektoren bereits gut vorbereitet zur Inspektion erscheinen.

Der Inspektionsstil unterscheidet sich ebenfalls erheblich. Während die US FDA auf die Einhaltung der GMPs fokusiert , legen die Koreaner großen Wert auf die Konformität mit dem Zulassungsdossier. Die FDA-Inspektoren sind flexibler in der Themenwahl und verbringen oft längere Zeit in bestimmten Bereichen vor Ort, wohingegen koreanische Inspektoren meist produktspezifisch vorgehen, detaillierte Layouts für Rundgänge benötigen und jeden Herstellungsschritt visuell überprüfen wollen.

Nachbereitung und Erwartungen
Die Nachbereitung von Inspektionen ist ebenso unterschiedlich wie die Durchführung selbst. Bei der FDA endet die Inspektion mit der Übergabe des 483-Formulars, während bei anderen Behörden wie der EAEU oder den Koreanern die Inspektion auch nach Verlassen des Unternehmens mit weiteren Rückfragen und Dokumentenanforderungen fortgesetzt wird, bis der Bericht finalisiert ist. Dies bietet dem Unternehmen jedoch auch die Möglichkeit, bei Meinungsverschiedenheiten zusätzliche Belege und Stellungnahmen nachzureichen. Die Zeitschienen für die Beantwortung von Berichten variieren ebenfalls, wobei die FDA eine schnelle Umsetzung von CAPAs bei Pre-Approval-Inspektionen erwartet, oft noch vor Erteilung der Zulassung für das betreffende Produkt.

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